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Interview mit Daniel - Teil i

 

Auf was freust Du Dich, wenn Du morgens (mittags/abends) zur Arbeit fährst?

Daniel: Die Gemeinschaft hier gefällt mir sehr gut. Die Kollegen sind nett, das ist ein wichtiger Punkt für mich. Außerdem sehe ich meinen Arbeitsplatz als einen Ort, an dem ich Spaß habe. Und mit Spaß kommt man gerne zur Arbeit. Ich sehe meinen Arbeitsplatz nicht als einen Ort, an dem man Stress hat. Wenn ich zur Arbeit fahre und die Einfahrtsschranke geht hoch, dann bin ich glücklich.

 

Wie verbringst Du Deine Pausen?

Daniel: In den Pausen schau ich auf meinem Handy, ob jemand versucht hat, mich zu erreichen. Denn während der Fahrt ist das Handy natürlich tabu. Wenn ich niemanden zurückrufen muss, dann höre ich etwas Musik über meine Kopfhörer. Ich vertrete mir die Füße aber entferne mich nie vom Bus. Die Pausen nutze ich eher selten zum Essen, denn ich esse am liebsten in Gesellschaft. Dafür trinke ich viel Kaffee. Ich trinke Kaffee, seitdem ich ein Kind war. Meine Eltern haben in Afrika eine Kaffee-Plantage, wo ich als Kind schon geholfen habe.

 

Grüßen sich Busfahrer untereinander?

Daniel: Ja, Busfahrer grüßen sich in der Regel untereinander. Das ist für mich sehr wichtig, denn manchmal fühlt man sich schon ein wenig allein. Dabei ist es auch egal, ob es ein Linienbus oder ein Reisebus ist. Wir sind nicht alle von der gleichen Firma, aber auf der Straße sind wir irgendwie eine Gemeinschaft und das bedeutet mir viel.

 

Wie viele Linien beherrschst Du?

Daniel: Angefangen habe ich vor. ca. 2 Jahren mit der Linie 154. Danach habe ich die Linienführung der Linien 127, 145, 162 und 164 gelernt. Hinzu kamen noch elf weitere Linien von der RVK. Ich bin nie müde neue Linien zu lernen, ich bin immer offen für neue Linien.

 

Hast Du eine Lieblings-Linie? Wenn ja: welche und warum?

Daniel: Ich liebe die Linie 127. Viele mögen die Linie nicht besonders aber ich fahre sie sehr gerne. Die Fahrgäste dort sind eine besondere Herausforderung. Sie sind häufig unfreundlich, aber gerade das finde ich interessant. Man gibt alles, um es gut zu machen und trotzdem schimpfen sie manchmal. Manche Leute müssen schimpfen, dann fällt Ballast von ihnen ab. Es gibt viele Geschichten von der Linie 127. Manchmal schauen einen die Leute grundlos böse an. Dann denke ich mir „okay, gut. Ich habe mir Mühe gegeben, der Rest ist nicht mein Problem“.

 

Hast Du eine Lieblings-Endhaltestelle? Wenn ja: welche und warum?

Daniel: Egal wo man Pause macht, kann man es sich schön machen. Ich finde überall etwas, was meinen Kopf frei macht. Besonders schön finde ich die Endhaltestelle in Longerich. Die liegt besonders ruhig und manchmal kommt mich sogar ein Eichhörnchen besuchen. Das allein reicht mir, um abschalten zu können.

 

Fährst Du lieber tagsüber oder lieber nachts?

Daniel: Das ist mir grundsätzlich egal. Es war meine Entscheidung einen Job zu machen, in dem es Früh- und Spätschichten gibt. Dementsprechend bin ich bereit, zu jeder Tages- und Nachtzeit zu fahren. Aber wenn ich einen Wunsch hätte, würde ich gerne früh anfangen, damit ich zuhause bin, wenn meine Kinder aus der Schule kommen. So können wir als Familie etwas unternehmen. Aber das muss meine Arbeit nicht blockieren. Wenn es passt ist es gut, wenn es nicht passt, ist es auch gut. Das ist meine Art, ich bin engagiert für das, für das ich mich selbst entschieden habe.

 

Wie empfindest Du die Freundlichkeit der Fahrgäste Dir gegenüber?

Daniel: Wir haben eine Verantwortung für unsere Fahrgäste. Wir müssen sie fahren, egal wie freundlich oder unfreundlich sie sind. Das ist unser Job. Wenn ich jemanden mit einem „Hallo“ begrüße, und er antwortet nicht, dann denke ich mir, „okay, er hat heute keine Lust“. Aber dann sind sie ja nicht automatisch unfreundlich, denn man weiß nie, was sie gerade beschäftigt oder bei welchem Problem sie gedanklich sind. Und wenn jemand kommt und „Hallo“ sagt, dann denke ich „okay, Jackpot – heute hat einer Lust“.

 

Musstest Du schon mal Fahrgäste an der Haltestelle stehen lassen, weil der Bus bereits voll war?

Daniel: Das passiert schon mal. Aber ich entscheide nicht, wer draußen bleiben muss und wer nicht. Ich sorge dafür, dass vorne, da wo ich gut sehen muss, alles frei ist. Dann öffne ich die hintere Tür. Wer noch einsteigen kann, der steigt ein. Wenn es zu voll ist, dann sagen die Leute von sich aus, dass sie auf den nächsten Bus warten. Wenn ich sagen würde „es ist voll, ich kann Sie nicht mehr mitnehmen“, dann würde es Diskussionen geben. Aber wenn sie selbst sehen, dass kein Platz mehr ist, dann sind sie einsichtig.

 

-Fortsetzung folgt-

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